Gebäude Geisteswissenschaften I

Das Kunstwerk "Innen - Außen" von Gisela Hoffmann, das sich an der Universität Bayreuth befindet, ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Integration von Textilkunst in den architektonischen Raum. Diese Installation besteht aus Polyestergarn-Trapezen und -Dreiecken, die mit Nylonfäden verspannt und beleuchtet sind. Die Arbeit zeichnet sich durch ihren Moire-Effekt* aus, der durch die Überlagerung von Mustern entsteht und je nach Blickwinkel und Lichtverhältnissen unterschiedliche visuelle Effekte erzeugt.
Das Kunstwerk wirkt auf den ersten Blick wie ein Bestandteil der Gebäudetechnik. Etwa Lüftungsschächte aus Metall. Erst bei näherem genauen Hinsehen offenbart sich dem Betrachtenden die wahre Natur dieser Installation.
"Innen - Außen" ist ein beeindruckendes Beispiel für die Verschmelzung von Kunst und Architektur. Die Installation lädt den Betrachter ein, den Raum neu zu entdecken und sich mit den visuellen und konzeptionellen Ebenen des Kunstwerks auseinanderzusetzen. Gisela Hoffmanns Arbeit zeigt, wie geometrische Formen und Lichteffekte genutzt werden können, um eine tiefere Wahrnehmung und Reflexion über die Beziehung zwischen Innen und Außen zu fördern.
Gisela Hoffmanns Werk ist geprägt von ihrer Ausbildung an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und ihrer langjährigen Beschäftigung mit der Konkreten Kunst. Ihre Kunst-am-Bau-Projekte, wie die "Viertel-Säule" in der Bayerischen Staatskanzlei in München und die Installation "Osmose" im Museum für Konkrete Kunst in Ingolstadt, zeigen ihre Fähigkeit, Kunstwerke zu schaffen, die im Dialog mit der Architektur stehen und den Raum neu definieren.
Der Titel "Innen - Außen" deutet auf die Dualität und die Beziehung zwischen dem Inneren und Äußeren hin. Die Installation könnte als Metapher für die Verbindung zwischen dem Individuum und der Welt, zwischen dem Geistigen und dem Materiellen interpretiert werden. Die durchscheinenden Formen und der Moire-Effekt könnten auch als Symbol für die Komplexität und Vielschichtigkeit des menschlichen Denkens und der Wahrnehmung gesehen werden.

Der Moire-Effekt*, der durch die Überlagerung der geometrischen Formen entsteht, erzeugt eine optische Illusion, die sich je nach Perspektive und Lichteinfall verändert. Dieser Effekt lädt den Betrachter ein, das Kunstwerk aus verschiedenen Blickwinkeln zu erkunden und sich mit den Veränderungen der visuellen Wahrnehmung auseinanderzusetzen.
Die Verwendung von Polyestergarn und Nylonfäden unterstreicht die Leichtigkeit und Transparenz der Installation. Das Material ermöglicht es, Licht durch die Strukturen hindurchzulassen, was den Moire-Effekt verstärkt und eine dynamische, fast immaterielle Qualität erzeugt.
Die Installation ist speziell für den Eingangsbereich des Gebäudes der Geisteswissenschaften II konzipiert. Sie interagiert mit der Architektur und schafft eine Verbindung zwischen dem Innenraum und der Außenwelt. Die vertikale Anordnung der Trapeze und Dreiecke lenkt den Blick des Betrachtenden nach oben und erweitert den Raum optisch.
*Der Moire-Effekt ist ein optisches Phänomen, das auftritt, wenn zwei oder mehrere Muster mit regelmäßigen Strukturen, wie Linien, Punkten oder Gittern, übereinandergelegt werden. Diese Überlagerung führt zu einem neuen, oft wellenförmigen Muster, das als Moire-Muster bezeichnet wird. Der Effekt entsteht durch die Interferenz der sich überlappenden Muster und kann je nach Winkel und Abstand der überlagerten Strukturen variieren.