Naturwissenschaften II

Die Plastik von Erich Hauser an der Universität Bayreuth trägt seine charakteristische künstlerische Handschrift. Die Skulptur, die aus poliertem Edelstahlblech gefertigt ist, zeigt eine aufgeschnittene, aufstrebende Scheibe, die den Innenhof des Gebäudes Naturwissenschaften II dynamisch dominiert. Diese Arbeit ist nicht nur ein ästhetisches Kunstwerk, sondern auch ein Symbol für Hausers künstlerische und persönliche Entwicklung.
Edelstahl: Hauser wählte Edelstahl als Hauptmaterial, das durch seine Robustheit und Reflexionsfähigkeit besticht. Die polierte Oberfläche spiegelt die Umgebung wider und schafft eine interaktive Beziehung zwischen der Skulptur und dem Betrachter.
Dynamik: Die aufstrebende Form der Scheibe verleiht der Skulptur eine starke Bewegung und Energie. Sie scheint sich aus dem ziegelgepflasterten Boden zu erheben und symbolisiert möglicherweise Wachstum, Entwicklung oder den Streben nach Höherem.
Die Skulptur ist so platziert, dass sie den Mittelpunkt des Innenhofes bildet. Sie steht in Dialog mit den umliegenden architektonischen Elementen und dem Brunnen, was den Raum harmonisch und gleichzeitig spannungsvoll gestaltet.
Der Innenhof als Treffpunkt der Studierenden unterstreicht die soziale Funktion der Kunst: Sie dient nicht nur der ästhetischen Betrachtung, sondern auch als Ort der Begegnung und des Austauschs
Die aufgeschnittene Scheibe könnte als Metapher für das Aufbrechen von Grenzen oder das Öffnen neuer Perspektiven interpretiert werden. Dies passt gut in den Kontext einer Universität, die sich der Erweiterung von Wissen und Horizonten widmet. Die glänzende Oberfläche reflektiert Licht und Umgebung, was die Skulptur in ständige Veränderung und Interaktion mit ihrer Umwelt setzt – ein Symbol für die Dynamik des Lernens und der Forschung.
Erich Hauser, der aus einfachen Verhältnissen stammte und sich seine künstlerischen Fähigkeiten weitgehend autodidaktisch aneignete, spiegelt in dieser Skulptur seine eigene Lebensgeschichte wider. Seine Karriere, die von harter Arbeit und unermüdlichem Streben nach künstlerischer Vollkommenheit geprägt war, findet in der aufstrebenden Form der Skulptur ihren Ausdruck.

Das "gewebte Textilobjekt" von Georg-Karl Pfahler, das 1984/1985 an der Universität Bayreuth installiert wurde, ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Integration von Kunst in den öffentlichen Raum. Dieses Werk, das in Zusammenarbeit mit der Fränkischen Gobelinmanufaktur Marktredwitz unter der Leitung von Ursula Benker-Schirmer entstand, verbindet Pfahlers charakteristischen Stil mit der traditionellen Kunst des Gobelin-Webens.
Georg-Karl Pfahler, geboren 1926 in Emetzheim, war ein bedeutender Vertreter der abstrakten Kunst in Deutschland. Seine künstlerische Entwicklung begann an der Akademie der Bildenden Künste Nürnberg und setzte sich an der Kunstakademie Stuttgart fort, wo er unter anderem von Willi Baumeister beeinflusst wurde. Pfahlers Werk ist geprägt von einer klaren, geometrischen Formensprache und einer intensiven Auseinandersetzung mit Farbe und Raum.
Das Textilobjekt in Bayreuth ist ein herausragendes Beispiel für Pfahlers spätere Arbeiten, in denen er sich zunehmend für die Wechselwirkung zwischen Kunstwerk und Raum interessierte. Das Objekt, das an der Decke des Foyers im Gebäude der Naturwissenschaften II befestigt ist, besteht aus gewebten Farbflächen, die in scharfen Kontrasten zueinander stehen. Die Verwendung von Stahlseilen zur Befestigung unterstreicht die räumliche Dimension des Werkes und verleiht ihm eine gewisse Leichtigkeit und Transparenz.
Die Zusammenarbeit mit der Fränkischen Gobelinmanufaktur ermöglichte es, Pfahlers Entwürfe in ein textiles Medium zu übersetzen, das sowohl die handwerkliche Tradition des Gobelin-Webens als auch die moderne Ästhetik seiner Kunst vereint. Die Manufaktur, geleitet von Ursula Benker-Schirmer, war bekannt für ihre Zusammenarbeit mit renommierten Künstlern und die Umsetzung ihrer Entwürfe in hochwertige textile Kunstwerke.
Das Textilobjekt von Pfahler kann als eine Fortsetzung seiner früheren Arbeiten im Bereich der Hard Edge Malerei verstanden werden. Die klaren, geometrischen Formen und die intensive Farbigkeit sind charakteristisch für seinen Stil. Gleichzeitig erweitert das Werk die traditionelle Malerei um eine räumliche Dimension, indem es die Farbflächen in den Raum hineinragt und so eine Interaktion mit dem Betrachter ermöglicht.
Die Platzierung des Objekts im Foyer eines naturwissenschaftlichen Gebäudes könnte auch als eine Brücke zwischen Kunst und Wissenschaft interpretiert werden. Die präzise, geometrische Formensprache und die klare Struktur des Werkes spiegeln die wissenschaftliche Herangehensweise wider, während die künstlerische Ausführung und die handwerkliche Qualität des Gobelins die kreative und ästhetische Dimension betonen.