Angewandte Informatik

Karin Sanders Arbeit an der Universität Bayreuth, speziell im Neubau für Angewandte Informatik, ist ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie zeitgenössische Kunst mit Architektur und Technologie verschmelzen kann. Die Installation, die 2008 abgeschlossen wurde, verwandelt die Wände des Eingangsfoyers in eine Leinwand für den XML-SVG-Quellcode des Gebäudes und macht damit die zugrunde liegenden Daten und Zahlensysteme sichtbar, die der architektonischen Gestaltung zugrunde liegen.
Das Kunstwerk ist ein Zeugnis von Sanders kontinuierlicher Erforschung der Schnittstelle zwischen Kunst, Architektur und digitaler Darstellung. Indem sie den XML-SVG-Code – eine Sprache zur Beschreibung zweidimensionaler Vektorgrafiken – präsentiert, lädt Sander die Betrachter ein, sich mit der strukturellen Essenz des Gebäudes auf eine Weise auseinanderzusetzen, die sowohl abstrakt als auch tief technisch ist. Der Code, der Koordinaten, Linienbreiten und Schriftartenangaben umfasst, dient als visuelle und konzeptionelle Brücke zwischen der physischen Struktur und ihrem digitalen Entwurf.
Die Ausführung dieses Projekts wurde von der Firma 2K Werbetechnik, Höchstädt, durchgeführt, die sicherstellte, dass die komplexen Details des Codes präzise auf den Wänden wiedergegeben wurden. Dieser sorgfältige Ansatz unterstreicht die Präzision und das handwerkliche Geschick, die sowohl in den architektonischen Entwurf als auch in seine künstlerische Interpretation einfließen. Das Ergebnis ist eine visuell ansprechende und intellektuell anregende Umgebung, die die Betrachter dazu anregt, die Beziehung zwischen Form, Funktion und Daten zu hinterfragen.

Karin Sanders umfangreiche akademische und künstlerische Laufbahn hat ihren Ansatz für dieses Projekt maßgeblich beeinflusst. Nach ihrem Studium an der Freien Kunstschule und der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart sowie einem DAAD-Stipendium in New York hat Sander eine einzigartige Perspektive auf die Schnittstelle von Kunst und Technologie entwickelt. Ihre Tätigkeit als Professorin an verschiedenen renommierten Institutionen, darunter die Kunsthochschule Berlin-Weissensee und die ETH Zürich, hat ihre Fähigkeit weiter vertieft, komplexe theoretische Rahmenwerke in ihre künstlerische Praxis zu integrieren.
Karin Sanders Installation an der Universität Bayreuth ist ein kraftvolles Beispiel dafür, wie Kunst die verborgenen Schichten des architektonischen Entwurfs offenlegen kann und die Betrachter dazu einlädt, die Schnittstellen von digitaler Darstellung und physischem Raum zu erkunden. Durch ihre Arbeit erweitert Sander weiterhin die Grenzen dessen, was Kunst im Dialog mit anderen Disziplinen erreichen kann, und bietet neue Perspektiven auf die gebaute Umwelt und ihre zugrunde liegenden Systeme.